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Entspannung

Information zu Entspannungsverfahren

1. Entspannung - aktiv erlebt - eine Übersicht über Entspannungsverfahren

(Thesaurus: Tai Chi Juan, Qigong, Yoga, Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxantien, Biofeedback-Verfahren)

In den bisherigen Kapiteln ist viel über mögliche Aktivitäten gesprochen, die hauptsächlich zur körperlichen Stärkung beitragen sollen. Würde man seine ganzen Anstrengungen darauf begrenzen, wäre ein langanhaltender Erfolg nicht möglich. Ebenso wichtig ist die psychische Entspannung.

Im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtungsweise und Ursachensuche in der Medizin ist jeder Gesundheits- oder Krankheitszustand ein Produkt aus körperlichen, psychischen und sozialen Faktoren. Dabei gibt es sowohl Zustände, die vorwiegend durch körperliche Ursachen bestimmt werden, als auch andere, die Ausdruck der Psyche oder des sozialen Umfeld sind. Alle Zustände können zu Krankheiten führen und deren Verlauf nachhaltig beeinflussen. Eine Harmonisierung im körperlichen, psychischen und sozialen Bereich eines jeden Menschen ist Garant für eine gute Gesundheit und sollten Ziel einer aktiven, gesundheitsbewußten Freizeit- und Urlaubsgestaltung sein.

Wie wichtig der Einfluß der Psyche ist, zeigt sich sehr deutlich bei dem zunehmenden Symptom des Rückenschmerzes. Unsere Körperhaltung ist ein Spiegel der Seele. Mit Ausdrücken wie "kein Rückgrat haben", "stramme Haltung", "krummer Hund", "den Kopf hängen lassen" und "hartnäckig" verbinden sich sowohl Körperhaltungen als auch psychische Zustände. Durch unser äußeres Haltungs- und Bewegungsbild machen wir innere Zustände, z.B. der Angst oder der Trauer, deutlich, die durch lange Dauer oder häufige Wiederholung zu Fehlhaltungen und Rückenschmerzen führen können. Die Harmonie zwischen Körper und Geist ist gestört.

Unser Alltag bietet für unsere Psyche viele belastende Faktoren, die wir mit "Streß" zusammenfassen. Landläufig sind darunter die über das gesunde Maß hinaus, den Körper strapazierenden Umwelteinflüsse. Besonders die Arbeitswelt und das soziale Umfeld spielen dabei entscheidende Rollen. Streß führt zur permanenten Überlastung der Betroffenen, die zu Krankheiten führen können. Meist ist eine Fehlhaltung oder gelegentliche Schmerzen ein Warnsignal des Körpers, das aber meist überhört wird, die Krankheiten nehmen ihren Lauf.

Was kann man gegen Streß und psychische Überlastung tun ?

Wichtigste Voraussetzung für krankhafte Folgen von Streß und psychischer Überlastung ist die Wahrnehmung und bewußte Verarbeitung äußerer Reize als Bestandteile des Lebens. Dieses aktive Bewußtmachen verhindert unbewußte Verdrängungsprozesse, die häufig zur Disharmonie zwischen Körper und Psyche führen. Unser Körper signalisiert durch körperliche Beschwerden wie Schmerzen oder Schlaflosigkeit solche Disharmonien. Diese Zeichen erkennen, das heißt "auf seinen Körper zu hören" verhindert echte gesundheitliche Schäden.

Ein Urlaub bzw. eine Kur oder entspannungsbringenden Betätigungen können das körperlich-seelische Gleichgewicht wiederherstellen. Viele vordergründig auf die körperliche Ertüchtigung ausgelegte Sportaktivitäten haben, wenn sie nicht mit krankhaften Leistungsdruck begleitet werden, eine psychisch entspannende Wirkung. Wandern, Laufen oder Schwimmen vermitteln einen engen Kontakt zur Natur und den Elementen Erde, Wasser und Luft und haben eine beruhigende Wirkung. Aber auch ein Gespräch mit einem Vertrauten in angstfreier Umgebung können einen momentanen Gefühlsstau lösen und zur seelischen Stabilität führen.

Häufig reicht eine "Selbsttherapie" nicht aus, eine fachliche Hilfe seitens eines Psychotherapeuten wird erforderlich. Leider scheuen immer noch viele Menschen eine psychotherapeutische Betreuung, obwohl viele wirkungsvolle Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Es werden drei verschiedene psychotherapeutische Ansätze unterschieden:
1. Körpertherapeutische Verfahren
2. Verhaltenstherapeutische Verfahren
3. Tiefenpsychologisch fundierte Verfahren

In diesem Buch sollen nur einige körpertherapeutische Verfahren vorgestellt werden, die häufig zum Angebot von Kur- und Erholungsorten gehören. Neben konzentrativer Bewegungstherapie, Bioenergetik und Feldenkrais-Methode sind vor allem Entspannungsverfahren geeignet, Übererregungen und Disharmonien abzubauen.

In den östlichen Kulturkreisen spielte die Entwicklung von Körper- und Selbstbewußtsein als Krankheitsprophylaxe eine wichtige Rolle. Entspannungsmethoden wie das Tai Chi Yuan, das Qigong oder Yoga sind zur psychischen Harmonisierung sehr wirksam und erfreuen sich auch in der westlichen Welt immer größerer Beliebtheit. Sie bestehen aus Atemtechniken und Körperhaltungen bzw. Bewegungsabfolgen, die die Muskulatur dehnen und den Energiefluß im Körper optimieren. Außerdem nimmt die bewußte Selbstbetrachtung und -empfindung breiten Raum ein.

Zu den klassischen Entspannungsmethoden gehören das Autogene Training, die progressive Muskelrelaxation und das Biofeedback-Verfahren. Auch sie verhelfen nicht nur zu einer effektiven Entspannung, sondern unterstützen auch die Entwicklung eines gesunden Körperbewußtseins.

Ziel des Autogenen Trainings ist es, eine tiefe körperliche Entspannung und innere Ruhe herbeizuführen und die Unbefangenheit gegenüber dem Schlaf wiederzuerlangen. Bei dieser Methode sind formelhafte Vorsatzbildungen wichtig, die den Stellenwert der Erschlaffung der Körperteile und des Schlafens real einordnen. Das Autogene Training ist in kleinen Gruppen oder einzeln leicht und in zwei bis vier Wochen erlernbar und könnte so ein aktives Urlaubs oder Kurprogramm sinnvoll ergänzen.

Bei der progressiven Muskelrelaxation wird durch einen geregelten Wechsel von Spannung und Entspannung einzelner Muskelgruppen die Konzentration zur Muskulatur hin- und von Konflikten oder Ängsten abgelenkt. Gleichzeitig wird die allgemeine Aufmerksamkeit vermindert, wodurch eine weitere Voraussetzungen für eine psychische Harmonisierung geschaffen wird. Auch diese Methode, die auch von Krankengymnasten praktiziert wird, ist leicht erlernbar und als sinnvolle Programmergänzung geeignet.

Das Biofeedback-Verfahren macht mittels Licht oder Tonsignale die Ergebnisse willentlich gesteuerter Aktionen auf das vegetative Nervensystem erlebbar. Diese Signale ermöglichen dadurch eine Eigenkontrolle und die Bestätigung eigener Beeinflussungsmöglichkeiten bei funktionellen Herzbeschwerden oder neuromuskulären Spannungszuständen. Diese Methode benötigt jedoch ein längerfristiges Training.

Offenburg, 15.12.2000

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