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Kneipptherapie

"Wissenswertes zur KNEIPP-Therapie"

1. Die Prinzipien der Kneipptherapie

Die heutige Zeit, die sprunghafte Entwicklung der Technik, die "moderne" Gesellschaft stellt Anforderungen an den einzelnen Menschen, denen er auf Dauer immer weniger gewachsen ist. Der menschliche Organismus verliert durch die Vielzahl an Umwelteinflüssen immer öfter sein inneres Gleichgewicht, er wird störanfällig für eine Vielzahl von chronischen Erkrankungen. Was kann man dagegen tun?

Einen Weg, der viel Eigeninitiative verlangt, hat schon vor über 100 Jahren ein Pfarrer namens Sebastian Kneipp (1821 - 1897) aufgezeigt. Selbst an Tuberkulose erkrankt, erfuhr er am eigenen Leibe, wie man durch die Kräftigung der eigenen Körperabwehr auch schwerwiegende Krankheiten besiegen kann. Die durch ihn begründete Heilmethode ist ein Weg, die vorhandenen Möglichkeiten zu einem "natürlichen", das heißt den Bedürfnissen des menschlichen Körpers angepaßten Leben auszunutzen und ihn so funktionstüchtig zu halten. Während einzelnen Organen wie zum Beispiel unserem Nervensystem durch das Leben in einer reizüberfluteten Welt Leistungen abverlangt werden, die diese überfordern können, verkümmern andere Organe wie Muskulatur und Bewegungsapparat durch Unterforderung.Sowohl Über- als auch Unterforderung führen langfristig zu Krankheiten. Deshalb muß ein Ausgleich geschaffen werden. Eine konsequente Ausgestaltung der Freizeit schont die strapazierten Organe und trainiert die sonst zu gering belasteten. So wird das innere Gleichgewicht wieder hergestellt, die Lebensenergie kehrt zurück.

Dieses Prinzip ist Grundlage vieler Therapiekonzepte verschiedener Kulturkreise der Erde. Die traditionelle chinesische Medizin nutzt es genauso wie viele europäische Naturheilverfahren. Die von Sebastian Kneipp begründete, nach seinem Namen benannte und inzwischen erheblich weiterentwickelte Kneipptherapie zeigt viele Möglichkeiten auf, wie jeder Mensch dieses Prinzip in sein Leben integrieren kann. In diesem Buch sollen einige Beispiele vorgestellt werden, die sich besonders gut zur Urlaubs- und Freizeitgestaltung eignen.

Die Bestandteile der Kneipptherapie sind:
- Hydrotherapie (Wasserbehandlung)
- Bewegungstherapie
- Phytotherapie (pflanzliche Medikamente)
- Diätetik
- Ordnungstherapie (Lebensordnung)

1.1 Die Wassertherapie nach Kneipp ist eine Reiztherapie zum aktiven Training der Blutgefäße und zur Stärkung der allgemeinen Abwehrlage des Körpers. Es gelangt kaltes, warmes oder wechselwarmes Wasser in Form von Güssen, Wechselbädern, Teil- oder Vollbädern mit Kräuterzusätzen, kalten Waschungen, Wickeln und Packungen zur Anwendung. Im Kapitel "Tips zur Kaltwasseranwendung" stellen wir einige Methoden vor, die sich besonders einfach durchführen lassen und besonders zur Vorbeugung und Linderung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, vegetativ-nervalen Störungen, Venenleiden und Infektanfälligkeit eignen.

1.2 Die Bewegungstherapie ist untrennbar verbunden mit den Wasseranwendungen. In unserer bewegungsarmen Zeit sind sportliche Betätigungen wie Wandern, Laufen, Gymnastik usw. sehr wichtig. Wir werden uns in nachfolgenden Kapiteln ausführlich mit diesem wichtigen Bereich der aktiven Erholung beschäftigen und spezielle Möglichkeiten an Ihrem Urlaubsort vorstellen.

1.3 Die Phytotherapie unterstützt die aktiven Formen der Kneipptherapie. Diese Therapieform besteht ausschließlich aus Arzneimitteln, die aus Pflanzen (Heilkräutern) gewonnen werden. Die Behandlung mit Naturarzneimitteln, die nur mit wenigen Nebenwirkungen belastet sind, gewinnt heute immer mehr an Bedeutung, zumal viele Menschen bei jeder Kleinigkeit gedankenlos zu irgendeiner der zahllos angebotenen Tabletten greifen, anstatt sich zunächst der von der Natur gebotenen Mittel bedienen. So können Baldrian oder Hopfen sehr hilfreich bei Schlafstörungen eingestzt werden oder Weißdorn-Arzneimittel die Leistungsfähigkeit des Herzens bzw. Ginseng-Präparate die Leistungsfähigkeit des Gehirns stärken. Wenn Sie mehr über die Phytotherapie wissen wollen, fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker, die Darstellung der vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten und Wirkprinzipien sprengt den Rahmen des vorliegenden Buches. (Literaturhinweise im Anhang)

1.4 Die Ernährungstherapie (Diätetik) bevorzugt weitestgehend naturbelassene Nahrungsmittel, keine allzu verfeinerte hochkalorische Kost und einen maßvollen Umgang mit Genußmitteln bzw. Genußgiften. Damit entspricht sie den Forderungen der modernen Ernährungswissenschaft. In einem späteren Kapitel des Buches werden wir Ihnen noch einzelne Hinweise für eine gesunde Ernährung geben.

1.5 Die Ordnungstherapie oder "Lebensordnung", wie sie der Priester nannte, rundet die Kneippsche Gesundheitslehre ab. Sie strebt einen möglichst natürlichen Lebensrhythmus mit Wechsel von Aktivität und Entspannung sowohl im körperlichen als auch im seelischen Bereich an. Die Gesundheit ist an aktive Leistung und an Ordnungsfähigkeit in Ruhe gebunden. Besonders in Kur und Urlaub ist ein gutes Verhältnis zwischen körperlicher und geistiger An- bzw. Entspannung erforderlich, um die "Inneren Batterien" wieder aufzuladen. Dabei sollten die Anspannungen inhaltlich vom Alltagsgeschehen deutlich differieren.

1.6. Wer war Kneipp?

Sebastian Kneipp wurde am 17. Mai 1821 in Stephansried bei Ottobeuren als Sohn armer Weber geboren. Die finanziellen Verhältnisse der Familie ließen es nicht zu, daß der Sohn ein geistliches Studium aufnehmen konnte, Sebastian mußte Weber werden. Im Alter von 21 Jahren verließ er das Elternhaus und konnte durch die Förderung des Prälaten Matthias Merkle aus Grönenbach das Gymnasium besuchen und anschließend ein Theologiestudium in München aufnehmen.

Während seiner Studienzeit erkrankte Kneipp an Tuberkulose. Sein Arzt vermochte ihm nicht zu helfen und die Chancen, daß der Student die Priesterweihe erleben würde, wurden allseits als minimal beurteilt. Die Historie berichtet, daß Kneipp in dieser Zeit ein Werk über Wasserheilkunde von Dr. Sigmund Hahn, dem ersten deutschen "Wasserdoktor", in die Hände bekam und sich mit den empfohlenen Wasserheilmethoden mit großem Erfolg selbst kurierte.

Diese Selbsterfahrung nahm der junge Pfarrer zum Anlaß und begann, sich mit Heilprinzipien der Natur zu beschäftigen. Als scharfer Beobachter, kluger Kopf und praktisch veranlagter Mensch begründete Sebastian Kneipp in Wörishofen eine spezielle, für die Naturheilkunde richtungsweisende Heilmethode, die sich neben der Hydrotherapie mit Ernährung und Naturheilstoffen beschäftigte. Seine Hauptwerke "Meine Wasserkur" 1886 und "So sollt ihr leben" 1889 erreichen bis heute hohe Auflagen und wurden in viele Sprachen übersetzt. Seine Naturheilverfahren, die die moderne physikalische Therapie und Balneologie wesentlich beeinflußt haben, werden insbesondere von der Wörishofener Ärzteschule und dem Kneipp-Ärzte-Verband weiter entwickelt. Prälat Sebastian Kneipp starb im Alter von 76 Jahren am 17. Juni 1897 in Bad Wörishofen.

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